
Stadt Gernsbach setzt weiteres Zeichen zum Gedenken an Gurs
Die Stadt Gernsbach ist der Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zur Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs beigetreten.
Der Friedhof mit 1073 Gräbern erinnert an die mehr als 6.500 Männer, Frauen und Kinder jüdischer Abstammung, die am 22. Oktober 1940 aus Baden und der Saarpfalz in das Gebiet der französischen Vichy-Regierung abgeschoben wurden. Unter ihnen befanden sich auch neun Jüdinnen und Juden aus Gernsbach.
Die beiden NS-Gauleiter Robert Wagner und Josef Bürckel hatten die im Geheimen geplante Gewalttat eng mit dem Leiter des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt, Adolf Eichmann, abgestimmt. Auch in Gernsbach wurden an diesem Morgen die hier noch lebenden jüdischen Familien gezwungen, binnen einer Stunde das Nötigste zu packen und sich an der Stadtbrücke zum Abtransport einzufinden.
Die Deportierten wurden in einer dreitägigen Zugfahrt unter katastrophalen Bedingungen bis an den Rand der Pyrenäen verschleppt. In Gurs lebten sie in überfüllten, schlecht isolierten Baracken; Krankheiten wie Typhus und Dysenterie breiteten sich schnell aus. Viele starben bereits in den ersten Monaten. Auch die Gernsbacher Arthur Kahn, Eugen Lorsch und Hermann Nachmann kamen in Gurs bzw. dessen Außenlagern Rivesaltes und St. Gaudens um.
Für die drei Frauen Hilda Dreyfuß, Erna Kahn und Bertha Marx bedeutete Gurs die Vorhölle von Auschwitz, wo sie 1942 ermordet wurden. Dem Jugendlichen Heinz Lorsch gelang die Flucht aus dem Lager. Die beiden Mädchen Lilo und Margit Kahn, zum Zeitpunkt der Deportation neun und fünf Jahre alt, überlebten mit Hilfe der jüdischen Hilfsorganisation OSE versteckt in Frankreich.
Zwei in den Jahren 2000 und 2008 errichtete Mahnmale an der Stadtbrücke sowie mehrere seit 2020 verlegte Stolpersteine erinnern heute in Gernsbach an das Schicksal der Deportierten. Sowohl die Stadt als auch die Zivilgesellschaft und hier insbesondere der Arbeitskreis Stadtgeschichte bemühen sich darum, das Gedenken an die einstigen jüdischen Mitbürger lebendig zu halten.
In diesem Sinne erfolgte jetzt auch der Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zur Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs, zu der sich 19 badische Städte sowie der Bezirksverband Pfalz zusammengeschlossen haben.
Bürgermeister Julian Christ betont: „Erinnerung verpflichtet uns, aus der Geschichte zu lernen – wir sehen es als unsere geschichtliche Verantwortung an, dazu beizutragen, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen können.“