
Gemeinderat berät über umfassendes Entwicklungskonzept
Gernsbach steht vor wichtigen Entscheidungen zur Zukunft seiner Friedhöfe:
In der kommenden Sitzung wird sich der Gemeinderat mit einem neuen, langfristig angelegten Friedhofsentwicklungsprogramm im Rahmen des „Zukunftspakets Gernsbach 2030“ befassen. Grundlage sind umfangreiche Analysen externer Fachbüros, die nun vollständig vorliegen.
Hintergrund der Neuausrichtung ist ein deutlicher Wandel der Trauerkultur. Bestattungsformen werden zunehmend individueller, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach pflegearmen und modernen Grabangeboten. Diese Entwicklung stellt die bestehenden Friedhofsstrukturen vor neue Herausforderungen – sowohl organisatorisch als auch wirtschaftlich.
Die vorliegenden Untersuchungen zeigen ein klares Bild: Rückläufige Bestattungszahlen, steigende Unterhaltskosten und teilweise eingeschränkte Bodenverhältnisse führen dazu, dass nicht alle Standorte dauerhaft in ihrer bisherigen Form erhalten werden können.
Das vorgeschlagene Entwicklungsprogramm sieht vor, die Friedhöfe in der Kernstadt, in Obertsrot und in Reichental zu erhalten, ein Belegungsmanagement aufzubauen und gezielt zu stärken. Dort sollen künftig neue Grabformen ermöglicht werden, die den veränderten Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden. In Obertsrot und Reichental sollen neben der klassischen Sargbestattung auch die Einrichtung halbanonymer Urnenerdgräber möglich sein.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die Prüfung einer möglichen Übertragung der Friedhöfe in der Kernstadt an die jeweiligen Kirchengemeinden. Ziel ist es, Zuständigkeiten klarer zu bündeln und die Organisation effizienter zu gestalten.
Gleichzeitig wird auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse der Fachbüros vorgeschlagen, die Friedhöfe in Lautenbach, Hilpertsau und Staufenberg langfristig stillzulegen. Diese Stilllegung erfolgt schrittweise und unter Wahrung bestehender Grabrechte. Neue langfristige Nutzungsrechte sollen dort künftig nicht mehr vergeben werden. Die Pflege der Anlagen wird auf ein notwendiges Maß reduziert, neue Investitionen sind nicht vorgesehen.
Bauamtsleiter Jörg Bauer betont: „Mit der Neuausrichtung entsteht ein zukunftsfähiges, effizienteres und flexibleres Friedhofssystem. Dies ermöglicht es, gezielt auf die veränderten Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger einzugehen, ohne dabei die Zwänge der engen Haushaltsmittel aus dem Blick zu verlieren. Zugleich sind einzelne Friedhofsschließungen unvermeidbar; der damit verbundene Prozess wird jedoch behutsam und über viele Jahre hinweg gestaltet.“
Durch die Neuausrichtung werden mehrere zentrale Vorteile erreicht: eine bessere Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen, eine effizientere Nutzung vorhandener Flächen sowie eine langfristige Sicherung der finanziellen Tragfähigkeit. Durch die Konzentration auf weniger, dafür leistungsfähigere Standorte sollen moderne Angebote gezielt ausgebaut werden.
Begleitend sind weitere Maßnahmen geplant, darunter die Überarbeitung der Friedhofssatzung, eine Neuberechnung der Gebühren mit dem Ziel der Kostendeckung sowie die Übertragung von Grabarbeiten und der Aufsicht bei Bestattungen an Bestattungsunternehmen.
„Friedhöfe sind Orte der Würde, der Erinnerung und des Abschieds. Mit den vorgeschlagenen Entscheidungen sichern wir diese Bedeutung auch für die Zukunft – in einer Form, die den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird und zugleich verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgeht. Es geht darum, Tradition zu bewahren und gleichzeitig den Wandel aktiv und mit Augenmaß zu gestalten“, so Bürgermeister Julian Christ.
