Gedenken zum Jahrestag der Deportation nach Gurs

Neun weiße Kerzen in Windlichtgläsern in einer Reihe
Foto: Stadt Gernsbach

Das alljährliche Gedenken an die Deportation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Gernsbachs im Jahr 1940 findet am Donnerstag, 22. Oktober, um 18 Uhr auf dem Salmenplatz statt. Zu der öffentlichen Gedenkfeier lädt der Arbeitskreis Stadtgeschichte Gernsbach ein.

An diesem Tag vor 86 Jahren fand eine Massendeportation von über 6500 badischen und pfälzischen Juden in das Lager Gurs am Rand der Pyrenäen statt. Damit erlosch das jüdische Gemeindeleben nach mehr als einem Vierteljahrtausend auch in Gernsbach. Ein Schwerpunkt des diesjährigen Gedenkens wird auf den Kinderarzt Eugen Neter gelegt, der vor 150 Jahren in Gernsbach zur Welt kam und als letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde Mannheim 1940 ebenfalls in das Lager Gurs gelangte. Schülerinnen und Schüler der Realschule Gernsbach werden sich mit dem Bericht auseinandersetzen, den Neter 1943 über die Zustände in Gurs verfasste. Ein Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden wird das Kaddisch sprechen. Die musikalische Begleitung der Veranstaltung übernimmt die Musikschule Murgtal.

Zum Abschluss der Gedenkfeier wird Bürgermeister-Stellvertreter Uwe Meyer die Namen der neun Deportierten verlesen. Dabei werden Kerzen entzündet und zu den Gedenksteinen an der Stadtbrücke nahe der Nepomukstatue getragen. Bereits im Jahr 2000 wurde dort das erste Mahnmal seitens der Stadt errichtet. Acht Jahre später ergänzten die Konfirmanden der St. Jakobsgemeinde und die Firmanden der Katholischen Seelsorgeeinheit Gernsbachs in einer gemeinsamen Aktion einen zweiten Gedenkstein in der Form eines Floßes. Dessen äußerer Flößerhaken greift ins Leere, ein Symbol dafür, dass mit der Deportation der Juden ein Stamm in der Bürgergemeinschaft Gernsbachs fehlt.