Interkultureller Abend mit Lesung und Spendenübergabe im H10 Treffpunkt Vielfalt

Bewegende Reise durch die „Gastarbeiter“- Geschichte

2 Frauen und 2 Männer bei der Präsentation
© Jürgen Heursen/ Stadt Gernsbach

Nachdem es im H10 – Treffpunkt Vielfalt – lange eher ruhig zugegangen ist, konnte am Mittwoch, 6. Oktober, endlich auch wieder eine kulturelle Veranstaltung realisiert werden.

Anlass war eine interkulturelle Lesung samt Spendenübergabe an das H10, die die Integrationsbeauftragte Lisa Knupfer gemeinsam mit den Autoren Gülşen Ergün-Karagkiozidou, Değer Dereli und Marco Jelić auf den Weg gebracht hatte. Diese haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind im Murgtal aufgewachsen als Kinder von sogenannten türkischen und italienischen „Gastarbeitern“. Im Rahmen des jährlich erscheinenden Heimatbuches des Landkreises Rastatt schrieben die drei jeweils über ihre Familiengeschichte, über Migration, neue Heimat und vielfältige Identitäten. „Uns war allen schnell klar, dass wir das Honorar für die Essays im Heimatbuch gerne spenden würden“, erklärte die Initiatorin der Beiträge, die türkischstämmige Forbacherin Gülşen Ergün-Karagkiozidou. Die Wahl der Spende fiel auf das H10 in Gernsbach als ein Ort des Miteinanders, der Menschen beim Ankommen in der Fremde unterstützt, beispielsweise durch Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe für geflüchtete Kinder. „Ich war sehr froh und dankbar, als wir das Angebot der Spende erhielten“, erklärte die Integrationsbeauftragte Lisa Knupfer, „dann habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und vorgeschlagen, das nicht nur als formalen Akt zu sehen, sondern die Spende mit einer Lesung zu verbinden, bei der die drei Autoren ihre Texte vortragen können.“ „Es ist wichtig, dass es solche Orte der Begegnung gibt“, betonte auch Basem Serghani, Leiter des H10, sichtlich erfreut.

Unter den rund 20 Gästen waren auch viele Familienangehörige der Autoren – also die Menschen, um die es in den vorgetragenen Geschichten ging, etwa der heute 101-Jährige Donato Pollice, Großvater von Marco Jelic. Sie alle lauschten gespannt den vorgetragenen Erzählungen, die vom Ankommen und Verlorengehen einer ganzen Generation in einem fremden Land, der Zerrissenheit junger Heranwachsender, der noch immer zögerlichen Annäherung verschiedener Kulturen und nicht zuletzt von Heimat und Identität handelten. Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich zwischen den Autoren und den Teilnehmern ein reger Austausch, in dem noch einmal deutlich wurde, dass es ein langer Weg war, bis man sich in Deutschland als Einwanderungsgesellschaft verstand. Heute, so der Tenor, sei durch Sprach- und Integrationskurse und solche Orte der Unterstützung wie das H10 einiges besser geworden für Menschen, die neu ankommen. Es wurde aber auch betont, dass es immer noch rechtextreme Kräfte gibt, die das demokratische und vielfältige Miteinander gefährden. Daher gelte es stets für Solidarität und Akzeptanz und gegen Diskriminierung einzustehen. Krönender Abschluss war dann die Übergabe der Spende, die sich auf 300 Euro belief. „Wir haben schon Ideen, wie wir das Geld in der Hausaufgabenhilfe einsetzen können“, bedankte sich Lisa Knupfer. Die Spende, so die Autoren, sei ein Zeichen des Dialogs, der Solidarität und des Zusammenhalts. Für Marco Jelic eine wichtige Signalwirkung: „Wir Kinder der Gastarbeiter unterstützen Menschen, die neu hier ankommen. Es gibt Unterschiede, aber auch viele Parallelen und gemeinsame Erfahrungswerte. Das ist ein schönes Symbol.“