Archivale des Stadtarchivs restauriert - Amtsbuch bietet Einblick in Alltag des 17. Jahrhunderts

Bildquelle: Stadtarchiv Gernsbach

Bereits 2017 gab das Stadtarchiv ein im Bestand gefährdetes „Ambts Protocoll“ der in Gernsbach residierenden badischen und ebersteinischen Vögte zur Restaurierung nach Leipzig und Mannheim. Nun gelangte die wertvolle historische Quelle nach Abschluss der Arbeiten zurück und steht der Forschung wieder zur Verfügung.

Nachdem 2018 das Amtsbuch für die Jahre 1645 bis 1649 restauriert worden war, folgte nun der Vorgängerband für die Zeit von Juni 1626 bis Mai 1628. Die Handschrift mit der Signatur „Ge alt Selekten 08“ war ohne Einband, das Papier stark beschädigt und verstaubt. Die in ihrem Erhaltungszustand besonders angegriffene erste und letzte Papierlage wurden in Leipzig von einer Fachfirma angefasert, also die abgegangenen Teile mit neuem Papier ergänzt, sodann nachgeleimt und gefestigt, alle übrigen Lagen in Mannheim von einer Buchrestauratorin gereinigt und restauriert, der gesamte Buchblock geheftet, abgeleimt und hinterklebt und schließlich ein neuer Halbledereinband angefertigt.

„Das Amtsbuch ist jetzt für die nächsten Jahrhunderte in seinem Erhalt gesichert“, sagt Stadtarchivar Wolfgang Froese, der zugleich dessen historische Bedeutung betont. Es biete sehr lebensnahe Einblicke in die Alltags-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Gernsbachs im frühen 17. Jahrhundert. Vor den beiden herrschaftlichen Vögten verhandelt wurden überwiegend Zivilstreitigkeiten wie Erbauseinandersetzungen, private Händel oder offene Rechnungen. So verklagte Jacob Klump aus Reichental einen Zimmermann wegen nicht bezahltem Fuhrlohn und Bauholz. Dieser war geständig, aber zahlungsunfähig. Auch der Erbauer des Alten Rathauses, Hans Jakob Kast, damals schon in Straßburg lebend, forderte 1627 von einem Schuldner 96 Gulden samt Zins ein. Sanktioniert wurden zudem Verstöße gegen die Sexualmoral. Jacob Müller, der „mit seinem Weib zu früe beygeschlaffen“, erhielt Turmstrafe und Geldbuße aufgebrummt.