Neujahrsempfang 2020

Auch in diesem Jahr nahmen viele Bürgerinnen und Bürger die Einladung zum Neujahrsempfang gerne an, so dass die Stadthalle bis auf den letzten Platz gefüllt war.

In der traditionellen Neujahrsansprache blickte Bürgermeister Christ zurück auf die städtischen Ereignisse im vergangenen Jahr, das vor allem im Zeichen des 800. Stadtgeburtstags stand, und gab einen Ausblick auf 2020 anstehende Projekte:

(Es gilt das gesprochene Wort.)

"Gerne nutze ich heute die Gelegenheit, mit Ihnen einen Rückblick auf das vergangene Jahr zu werfen und gleichzeitig einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben. Denn viele Beschlüsse, die der Gemeinderat im letzten Jahr getroffen hat, gilt es, nun in 2020 umzusetzen.

Waren Sie beim letzten Neujahrsempfang dabei? Haben Sie auch gespannt, vielleicht nervös, auf den 800. Geburtstag unserer Stadt geschaut? Als ich vor einem Jahr hier stand, war ich durchaus nervös. Denn große Jubiläen werfen ihre Schatten voraus, und mir war klar, dass der anstehende Geburtstag unserer Stadt uns alle auf Trab halten würde. Wer von uns hätte gedacht, dass eine Stadt unserer Größe solch ein großartiges Jubiläumsjahr auf die Beine stellen konnte?

Neben mehr als 30 unterjährigen Veranstaltungen, darunter eine gelungene Denkmalnacht in der Altstadt, hat vor allem das Jubiläumswochenende im Juli bei uns allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir denken zurück an eine mit Zuschauern bestens gefüllte Stadtbrücke, 1500 Teilnehmer aus 72 Gruppen beim großen Umzug sowie an eine beachtliche Festmeile mit 81 Ständen, die von der Altstadt bis auf den Salmenplatz reichte. Ich persönlich denke auch an eine besonders feucht-fröhliche Eröffnung des Festes zurück, was weniger am Bier als am Wetter lag.

Zehntausende Besucherinnen und Besucher haben unsere Stadt erleben und feiern dürfen. Und das wichtigste: 800 Jahre Gernsbach – das war nicht ein reines Fest der Kernstadt, sondern wurde durch zahlreiche Teilnehmer und Besucher aus allen Ortsteilen bereichert. Ein beeindruckendes Zeichen dafür, dass wir eine Stadt sind. Dieses tolle Fest war ein Kraftakt für alle. Nicht nur für jene, die beim Festwochenende und den unterjährigen Veranstaltungen mitgewirkt haben. Sondern auch für die zahlreichen Menschen im Hintergrund, die durch ihre Organisation zum hervorragenden Gelingen des Jubiläums beigetragen haben. Ich denke hierbei an den Lenkungskreis Stadtjubiläum und an unsere Sponsoren, aber auch an unsere zahlreichen städtischen Beschäftigen aus dem Rathaus und dem Bauhof, die unzählige Überstunden geleistet haben, um das alles möglich zu machen. All diesen Menschen sage ich heute nochmals herzlich: Danke!

Und wenn wir vom 800. Geburtstag unserer Stadt sprechen, geht es natürlich auch um den Ursprung von Gernsbach, der Altstadt. Über Jahrzehnte haben engagierte Bürgerinnen und Bürger und Stadträte immer wieder Ideen und Vorschläge für die Entwicklung der Altstadt gemacht. Einige dieser Vorschläge konnten umgesetzt werden, aber der große Wurf blieb meist aus. Dies lag weniger am Willen der Stadt als an begrenzten finanziellen Ressourcen. Denn die denkmalgerechte Sanierung von Gebäuden oder der Bau eines Parkdecks auf dem Färbertor gibt es nicht zum Nulltarif. Sicherlich auch ein Grund dafür, dass der Gemeinderat manche Richtungsentscheidung - wie den Umgang mit dem Verkehr in der Altstadt - bisher noch nicht getroffen hat.

Heute sind wir einen wesentlichen Schritt weiter: Mit dem Beschluss des Strategiepapiers hat der Gemeinderat ein klares Bekenntnis zur Aufwertung der Altstadt abgegeben und wesentliche Herausforderungen benannt. Im Rahmen eines strukturierten Bürgerbeteiligungsprozesses werden wir 2020 die Gelegenheit nutzen, mit allen Menschen ins Gespräch zu kommen, konkrete Ergebnisse festzuhalten und den Dornröschenschlaf zu beenden. Mit diesem Ansatz haben wir bereits überregional für Aufmerksamkeit gesorgt: Mit Gisela Erler, der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, konnten wir ein Mitglied der baden-württembergischen Landesregierung als Schirmherrin gewinnen. Wir haben also all das, was es für einen erfolgreichen Altstadtprozess braucht: Wir haben den Willen vom Gemeinderat und von mir als Bürgermeister, etwas für die Altstadt zu tun, wir haben engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen möchten und wir haben Partner in der Politik, die uns auf diesem Weg unterstützen. Gehen wir es an!

Neben der Altstadt gibt es mit dem Kaltenbronn eine weitere touristische Visitenkarte unserer Stadt. Mehr als 400.000 Besucher zieht dieser jedes Jahr an. Gleichzeitig verfügt der Kaltenbronn mit dem Infozentrum Kaltenbronn sowie dem Hotel Sarbacher derzeit über ausbaufähige touristische Infrastrukturen. Oder anders ausgedrückt: Da geht noch was. Wenn wir also an die Geschichte unserer Stadt denken, sollten wir auch unsere touristischen Traditionen nicht aus dem Blick verlieren. Daher freue ich mich sehr, dass jetzt mit dem Beschluss des Masterplans Kaltenbronn eine konkrete Vision auf dem Tisch liegt, deren Umsetzung in 2020 aktiv angegangen wird. Der Naturpark Schwarzwald Mitte / Nord ist hierfür ein zentraler Partner – denn wir als Stadt können nicht den weiteren Bau von touristischen Infrastrukturen wie eines Naturparkhauses aus eigenen Mitteln stemmen.

Zu den städtischen Aufgaben gehört es, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.Deswegen begrüße ich es ausdrücklich, dass wir als Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan Kaltenbronn gefasst haben. Damit schaffen wir in den nächsten Jahren die Möglichkeit für eine maßvolle und naturverträgliche Entwicklung dieses touristischen Highlights.

Die Aufwertung der Altstadt sowie die touristische Weiterentwicklung des Kaltenbronn sind für mich aber noch aus einem anderen Grund wichtig.
Sie gehören zu den Wahlversprechen, die ich Ihnen im Rahmen der Bürgermeisterwahl abgeben habe. Bei dieser Verpflichtung geht es nicht darum, dass alle Herausforderungen sofort gelöst werden – denn dann wäre ich als Bürgermeister ja arbeitslos und würde auf einer Hängematte auf der Murginsel verweilen.

Aber Sie als Bürgerinnen und Bürger müssen jederzeit nachvollziehen können, dass ich mich als Bürgermeister mit diesen Themen auseinandersetze und immer mein Bestes dafür gebe, diese zum Erfolg zu führen. Und damit komme ich zu drei weiteren Themen, deren Bearbeitung ich Ihnen 2017 versprochen habe.

    Der Lärmaktionsplan
    Die Entwicklung von Bauland
    Die Bereitstellung von Büros für Gründer

Nach mehrjähriger Entstehung wurde im letzten Jahr endlich der Lärmaktionsplan durch den Gemeinderat beschlossen. Damit werden insbesondere Tempo-30-Reduzierungen auf unseren Straßen möglich gemacht, die zu einer spürbaren Reduzierung von Verkehrslärm für Anwohnerinnen und Anwohner führen sollen. Aufgabe dieses Jahres wird es sein, mit dem Landratsamt ins Gespräch zu gehen und den beschlossenen Lärmaktionsplan in die Umsetzung zu bekommen.

Die Entwicklung von Bauland ist ebenfalls ein wichtiges Thema für unsere Stadt. Denn nur wenn wir unsere Einwohnerzahlen halten, können wir unsere Hallen und öffentliche Gebäude finanzieren und den Fortbestand der Gemeinschaft in den Ortsteilen dauerhaft sicherstellen. Mit dem Beschluss der Baulandstudie hat sich der Gemeinderat zu einer systematischen Entwicklung von Bauland im gesamten Stadtgebiet bekannt. Gerade Ortsteile, die bereits länger keine Entwicklung erfahren haben - wie Staufenberg, Reichental oder Lautenbach - haben nun die Perspektive, dass in den nächsten Jahren Flächen auf ihrer Gemarkung in die Bauland-Entwicklung genommen werden.

2017 habe ich auch davon gesprochen, dass wir uns unserer Lage in der Technologieregion Karlsruhe bewusst sein müssen und über erhebliches Potenzial für Gründerinnen und Gründer verfügen. Mit dem Start des Kornhauses in der Altstadt haben wir genau das umgesetzt. Junge Gründerinnen und Gründer aus Gernsbach und der Region haben nun die Möglichkeit, sich dort Arbeitsplätze zu mieten und ihr Unternehmen zu präsentieren. Wie die Aktivitäten des Kornhausteams zeigen, wird dieses Angebot bereits rege genutzt - ich erinnere hier zum Beispiel an den Wintermarkt als Ergänzung des Weihnachtsmarktes.

Der Gründergeist in unserer Stadt trägt aber auch ganz andere Blüten: So haben aktive Reichentäler im letzten Jahr mit städtischer Unterstützung erfolgreich einen eigenen Dorfladen gegründet, der ein wichtiges Angebot in der Nahversorgung geschaffen hat, was gerade für ältere Mitbürger enorm wertvoll ist.

Sie sehen also, dass nach gerade einmal zwei Jahren im Amt Wahlversprechen, die ich gegeben habe, auch eingelöst werden und Einiges mehr in Bewegung ist.

Neben den vielen kleinen Themen und Maßnahmen geht es aber auch um langjährige Dauerbrenner. Sie ahnen, welches Thema nun kommt: Das Pfleiderer-Areal bzw. der Wörthgarten. Seit mehr als 15 Jahren müssen Sie als Gernsbacherinnen und Gernsbacher dem Verfall dieser Gebäude am Stadteingang zuschauen. Der ein oder andere mag sich daran gewöhnt haben, aber es ist, was es ist: Ein Schandfleck in Gernsbach.

Als Bürgermeister habe ich mich vom ersten Tag an massiv für den Dialog mit allen Beteiligten, für die Information der Bevölkerung sowie für die Nutzung des Geländes eingesetzt. Dabei blies mir, wie auch meinem Vorgänger, vom ersten Tag an eine steife Brise entgegen. Als Demokrat sage ich: Kritik gehört dazu. Aber was ich in den letzten zwei Jahren erleben durfte, ist weit mehr als das. Von Gerüchten, Mutmaßungen bis hin zu Unterstellungen und persönlichen Beleidigungen wurde vor keinem Mittel zurückgeschreckt, um einen Fortschritt beim Pfleiderer-Areal zu verhindern. Behauptungen wurden in den Raum gestellt, wie ich wolle die Bevölkerung vergiften, alle Bäume abholzen oder das ganze Areal für anonyme Märkte zubetonieren. Richtig war nichts davon.

Ganz im Gegenteil: Wir haben als Stadt die Sanierung eines wesentlichen Teils der Altlasten mit der Krause-Gruppe verhandelt, wir haben eine Lösung für den Hochwasserschutz, bei der ein Großteil des Baumbestandes am Ufer erhalten bleibt, und wir werden ein Areal schaffen, das für Nahversorgung, Wohnraum und Naherholung steht – und eben gerade nicht nur aus Beton sein wird.

Mit den Gemeinderatsbeschlüssen des letzten und des vorletzten Jahres konnte der Bebauungsplan „Im Wörthgarten“ nahezu abgeschlossen werden, und die Nutzung des Areals ist nun geklärt. Ich jedenfalls sehe keine Notwendigkeit mehr, die Gefechte vergangener Tage jeden Monat aufs Neue aufleben zu lassen und erkenne die Realität an: Entgegen aller Unkenrufe haben wir mit der Krause-Gruppe einen zuverlässigen Partner, der sich für die nachhaltige Entwicklung des Areals einsetzt und zu seinen Pflichten und Zusagen steht. Ein weiteres Zeichen wird man in Kürze sehen: Der Abriss der Gebäude auf dem Pfleiderer-Areal steht unmittelbar bevor.

15 Jahre Stillstand sind Geschichte. Das ist ein Ergebnis der mehrheitlich getroffenen Gemeinderatsbeschlüsse, welches auch den letzten Kritiker überzeugen sollte. Das Bild unseres Stadteingangs wird sich damit dauerhaft zum Positiven verändern. 2019 – das war ein Jahr des Feierns sowie bedeutender Weichenstellungen für Gernsbach und seine Ortsteile.

Lassen Sie uns alle nach vorne schauen und freuen wir uns auf die Entwicklung, die vor uns liegt! Denn Gernsbach steht für Dynamik. Nicht nur bei der Schaffung von benötigtem Wohnraum, der Erstellung von mehr als 120 neuen Betreuungsplätzen für unsere Kinder oder auch bei der Einrichtung der Tagespflege in der Schwarzwaldstraße.
Nicht alles wird vielleicht so schnell gehen wie wir uns das wünschen. Entscheidend ist, dass es vorangeht.

Liebe Stadträtinnen und Stadträte, auf die bisherigen Erfolge können wir zu Recht stolz sein. Ich sage aber auch: Wir haben noch viel Arbeit vor uns! Es wird auch manche Herausforderung geben, die wir als Stadt nicht allein, sondern nur in guter Partnerschaft mit unseren Nachbarn lösen werden können. Deswegen werden wir noch stärker als bisher auf die Zusammenarbeit mit Gaggenau und Baden-Baden setzen, so wie wir weiterhin fairer Partner für unsere Nachbarn Loffenau und Weisenbach sind.

Ich bedanke mich für die Unterstützung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Stadträte, der Ortschaftsräte, sowie von Ihnen allen, liebe Bürgerinnen und Bürger. Denn das, was uns stark macht, ist unser beispielloser Zusammenhalt - gerade auch der Blick auf die vermeintlich Schwachen in unserer Gesellschaft. Deswegen freue ich mich, dass wir unsere Stiftungen in Gernsbach neu aufgestellt haben und mit „Gernsbach hilft“ sowie mit der „Bürgerstiftung Gernsbach“ wichtige Instrumente geschaffen haben.

Gerne möchte ich Sie auf die Stiftungen und deren Schwerpunkte aufmerksam machen. Sie finden die Flyer auf ihren Sitzplätzen sowie im Foyer. Sprechen Sie uns an, wir freuen uns auf Ihre Fragen und Anregungen!

Zum Abschluss noch ein paar persönliche Worte:

Ich bin dankbar dafür, Ihr Bürgermeister sein zu dürfen. Denn Gernsbach und seine Ortsteile sind eine Gemeinschaft, für die sich jede Mühe lohnt und die mich stolz macht. Sie haben mir und meiner Frau ein Zuhause gegeben, in dem wir uns wohlfühlen und neue Freundschaften schließen konnten. Ich wünsche Ihnen allen ein frohes neues Jahr!"                                                                                                     

Im Anschluss an die Neujahrsansprache zeichnete Bürgermeister Julian Christ erstmals in diesem feierlichen Rahmen Personen aus, die sich in herausragender Weise ehrenamtlich engagieren. Dabei erinnerte er auch an das große Engagement der Gernsbacherinnen und Gernsbacher im Jubiläumsjahr 2019.

Für einen stimmungsvollen musikalischen Rahmen beim feierlichen Jahresauftakt sorgte der Musikverein ‚Harmonie‘ Staufenberg unter der Leitung von Robert Meier. Viele gute Wünsche zum neuen Jahr und einen regen Gedankenaustausch gab es beim anschließenden Stehempfang.