SWR berichtet über NS-Zeugnisse im Stadtarchiv Gernsbach

Wichtige Zeugnisse aus der NS-Zeit sind im Stadtarchiv dokumentiert (c) SWR

Die Bestände des Gernsbacher Stadtarchivs reichen nicht nur bis weit ins Mittelalter zurück, sie umfassen auch umfangreiche Unterlagen aus der NS-Zeit, die nach Menge und Güte deutschlandweit Seltenheitswert haben. Das Badenradio von SWR4 hat das Stadtarchiv deshalb kürzlich besucht. Der Bericht der Reporterin Anne Koark ist derzeit auch auf der Website des Südwestrundfunks nachhörbar.

Es handelt sich um rund 3.000 Blatt an Dokumenten der Gernsbacher NSDAP und ihrer Gliederungen aus der Zeit zwischen 1930 und 1945. Der hektische Versuch der Ortsgruppenleitung, die Parteiakten Anfang April 1945 noch zu vernichten, gelang nur zum Teil – aus heutiger Sicht zum Glück. Nach dem Einmarsch der französischen Armee wurden die im Rathaus gefundenen verstreuten Blätter in Kartons gesammelt und gerieten bald darauf weitgehend in Vergessenheit. Letztes Jahr hat Stadtarchivar Wolfgang Froese die Unterlagen in mehrwöchiger Kleinarbeit gesichtet, geordnet und verzeichnet und damit erstmals für die Nutzung erschlossen.

Im Gespräch mit Anne Koark berichtet er, was diese Akten so besonders macht. Sie ermöglichen einen detaillierten Einblick in das Innenleben der lokalen NSDAP, vor allem aber werfen sie Licht auf den Alltag der Gernsbacherinnen und Gernsbacher unter der Diktatur des NS-Regimes. Sie zeugen von den ständigen Bemühungen der Staatspartei, die Bevölkerung zu indoktrinieren und für ihre Zwecke zu mobilisieren, von Begeisterung und zugleich von ganz unterschiedlichen Formen der Widerständigkeit gegenüber dem Allmachtsanspruch der Nationalsozialisten.

Die SWR-Reportage ist aktuell unter swr.de/karlsruhe oder dem direkten Link https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/Zeugnisse-der-Geschichte-Nazi-Akten-im-Gernsbacher-Stadtarchiv,naziakten-gernsbach-100.html zum Anhören verfügbar.